Prozessleistung

Prozesse sind das Lebenselixier eines jeden Unternehmens, doch ihre Wirksamkeit bleibt oft ungeprüft, da der Prozess nicht richtig gemessen wird. Für das Management im Textilbetrieb ist das Verständnis der Prozessleistung essentiell, denn das Wissen über die genaue Prozessleistung der einzelnen Arbeitsstationen ist für die Kapazitätsplanung im gesamten Unternehmen unerlässlich.

 

Definition der Prozessleistung

Die Prozessleistung bezieht sich auf die Effizienz, mit der ein Prozess seine beabsichtigte Funktion erfüllt. Sie ist ein wesentlicher Aspekt der betrieblichen Effizienz und untrennbar mit der Rentabilität des Unternehmens. Die Messung der Prozessleistung zeigt den Weg zur kontinuierlichen Verbesserung auf und gibt auch Aufschluss über ineffiziente oder leistungsschwache Bereiche.

Im Rahmen der Prozessanalyse wird die Prozessleistung häufig anhand von Prozesskennzahlen gemessen:

  1.  Wirkungsgrad. Effizienz ist das Verhältnis von Output zu Input in einem Prozess. Eine hohe Effizienz bedeutet eine optimale Nutzung der Ressourcen.
  2.  Effektivität. Die Wirksamkeit misst, ob der Prozess die beabsichtigten Ergebnisse hervorbringt oder die vordefinierten Ziele erreicht.
  3.  Zykluszeit. Die Zykluszeit bezieht sich auf die Gesamtzeit vom Beginn bis zum Ende eines Prozesses.
  4.  Prozessausbeute. Die Prozessausbeute berechnet die Anzahl der korrekten Outputs geteilt durch die Anzahl der gesamten Outputs. Eine höhere Ausbeute deutet auf einen erfolgreicheren Prozess hin.

 

Systemcharakter

Der Systemcharakter der Textilindustrie bringt einige Schwierigkeiten bei der Messbarkeit und der Vergleichbarkeit von Prozessleistungen.

  • Vielfältigkeit der Erzeugnisse erschweren die Entwicklung einheitlicher und detaillierter Prozessmodelle
  • Starke Heterogenität in den Systemen bezüglich der Technologien und eingesetzten Maschinen
  • Komplexität der Produkte, wie Fasern, Faden, Flächen und mögliche Veredlungsvarianten
  • Wechsel zwischen Fließfertigung, Batchfertigung und manchmal sogar Werkstattfertigung
  • Verwendung unterschiedlicher Größenordnungen

 

Kenngröße für die Messbarkeit der Prozessleistung

In der Textilindustrie ist die Messbarkeit der Prozessleistung stark abhängig von der Materialart und dem Prozess. Häufig wird die Lieferleistung eines Prozesses zur Messung der Prozessleistung in m/min angegeben. In Batchprozessen wird die Prozesszeit in Minuten gemessen. Die Prozessleistung ist in diesem Fall wiederum abhängig von der Maschinenbeladung. Längenmessungen sind durch elastische Materialien und Prozesseinstellungen (Voreilung) nur schwierig zu messen, die Masse des Textil ist aber relativ leicht und sehr genau zu erfassen.

Um all diese unterschiedlichen Messdaten vergleichbar zu machen, wird nun eine vergleichbare Kenngröße für den Output zu Grunde gelegt.

Output = kg pro Zeiteinheit
Vergleichbare Messeinheit für die textile Prozessleistung

Hier wird nun ein Umrechnungsfaktor für Faden- oder Flächenmaterial benötigt und dieser ist das Lauflängengewicht in kg/m.

 

Lauflängengewicht für Garne:

Nm 25/1 = 25 g/m Garn

Lauflängengewicht =  25m/g x 1000g/kg = 25000 m/kg

Prozessberechnung:

Umspulmaschine mit 20 Spulstellen und einer Liefergeschwindigkeit von 2500 m/min pro Spulstelle
500 kg Partie Garn Nm 25/1

500 kg x 25 000 m/kg = 12 500 000 m / (20 Spulstellen x 2500 m/min)  = 250 min Prozesszeit

Output = 500 kg / 250 min = 2 kg/min

 

Lauflängengewicht für Flächen

Warenbreite: 1,50 m
Quadratmetergewicht: 360 g/m²

Gewicht pro Laufmeter = Breite x m²-Gewicht = 1,50m * 360g/m² =  540 g/Laufmeter

Lauflängengewicht = 1000g/kg  /  Laufmetergewicht g/m = 1,852 m/kg

 

Prozessberechnung für Batchprozess:

Jetfärbemaschine mit einer Maschinenbeladung von 500 kg und einer Prozesszeit von 600 min
Output = 500 kg / 600 min = 0,83 kg/min

 

Prozessberechnung für Konti-Prozess:

Spannrahmen Liefergeschwindigkeit = 35 m/min

Output = 35 m/min / 1,852 m/kg = 18 kg/min

 

Im Prozessvergleich sieht man nun die großen Schwankungsbreiten im theoretischen Output:

Spulmaschine 2,00 kg/min
Färbemaschine 0,83 kg/min
Spannrahmen 18,00 kg/min

 

Tatsächlicher Output

Der tatsächliche oder effektive Output wird noch über 2 weitere Faktoren beeinflusst:

  • dem Nutzgrad der Maschine in %, z.B. 85% durch An- und Abfahren des Prozesses
  • dem technischen Materialverlust in %, z.B. 3% durch Ausschuss oder Musterentnahme

Die Berechnung lautet dann:

Theoretischer Output x Nutzgrad x (1- technischer Materialverlust) = tatsächlicher Output

18 kg/min x 0,85 = 15,3 kg/min x (1 – 0,03) = 14,84 kg/min

 

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