Die Entschlichtung von synthetischen wasserlöslichen Schlichten
Neben den natürlichen Pflanzenstärken werden auch synthetische Schlichtemittel eingesetzt, denn dadurch erreicht man Produktionssteigerungen in der Weberei.
Zu den vollsynthetischen Schlichten zählen Polyacrylat- und PVA-Schlichten, die sowohl für Cellulosefasern als auch für Ketten aus reinen synthetischen Fasern verwendet werden und PES-Schlichten die hauptsächlich auf Ketten aus Polyesterfilamenten eingesetzt werden. Dazukommen noch die halbsynthetischen CMC-Schlichten, die meistens zusammen mit einer vollsynthetischen Schlichte eingesetzt wird.
Probleme in der Praxis
Können synthetische Schlichten auf der Breit-Waschmaschine nicht entfernt werden, dann gibt es hauptsächlich drei Gründe:
- Neben den leichtlöslichen Schlichten wurden noch zusätzlich Schlichtefette und Wachse mitverwendet. Dadurch wird die Löslichkeit auf Grund verschlechterter Wasserpenetration verlangsamt.
- Die geschlichtete Kette wurde übertrocknet, was wiederum mit einer Verschlechterung der Wasserpenetration verbunden ist.
- Synthetische Schlichten werden, aus welchen Gründen auch immer, mit schlecht- bis wasserunlöslichen modifizierten Stärken kombiniert.
70% aller Fehler in der Färberei und Druckerei sind auf eine ungenügende Vorbehandlung zurückzuführen.
Was beim Auswaschen von synthetischen Schlichten zu beachten ist:
- Zusammensetzung der Schlichte muss bekannt sein
- Die Rohware darf nicht vorfixiert werden, denn dadurch verschlechtert sich die Auswaschbarkeit
- Breit auswaschen ergibt ein besseres Ergebnis als in Strangform. Hier besteht die Gefahr einer Anreicherung in den Falten.
- Synthetische Schlichten gehen nicht spontan in Lösung, sondern haben eine Quellphase. Deshalb bei Kontinue-Prozessen einen Luftgang oder eine Warenablage mit einkonzipieren
- Synthetische Schlichten sind härteempfindlich. Weichwasser oder Zusatz von Komplexbildnern verwenden
- In den Waschbädern nicht mit Wasser sparen um eine Überkonzentration zu vermeiden
- Temperatur und pH-Wert müssen stimmen. Achtung es gibt auch kaltwasserlösliche Schlichten, deren Löslichkeit durch heißes Wasser blockiert wird
- Bei Schlichtewechsel müssen die Bäder abgelassen werden, da sonst die Gefahr einer Ausfällung besteht.
Vorgänge bei der Entschlichtung synthetischer Schlichten
- Netzen
- Schnelles Netzen mit der Imprägnierflotte
- Flottenaufnahme > 80%
- Quellen
- genügend Quellzeit
- Kontinue-Prozess: über Luftgang oder Ablage
- Semi-Kontinue-Prozess: Klotzen und Verweilen vor der Wäsche
- Waschen
- genügend Wasserangebot
- Intensive Wäsche – Gegenstrom, Flottenturbulenzen, Quetschen und wieder benetzen
- Faltenfreie Warenführung
- Temperatur einhalten
- pH-Werte einhalten
Alkalizusatz und Temperatur
| Schlichte | Alkalizusatz | Temperaturbereich |
| Polyester | 0,5 g/l Soda
pH 8,5 |
90 – 95 °C |
| Polyacrylat (Trockenweben) | 2 – 5 g/l Soda oder
2 – 4 ml/l NaOH 50°Bé |
80 °C |
| Polyacrylat (Nassweben) | 2 – 5 g/l Soda oder
2 – 4 ml/l NaOH 50°Bé |
90 – 95 °C |
| Polyvinylacetat | 2 – 3 g/l Soda | 80 °C |
| Polyvinylalkohol (teilverseift) | 2 – 3 g/ Soda | 80 °C |
| Polyvinylalkohol (vollverseift) | neutral pH 7 | 95 °C |
| Mischschlichte
PVA / Acrylat (z.B. Achalin PES) |
neutral pH 7 | 90 – 95 °C |
Beispielhafter Verfahrensgang für eine Kontinue-Waschmaschine mit 6 Rollenkufen
- Imprägnieren mit Waschflotte 40-50°C
- Luftgang – Quellen der Schlichte
- Abteil 1: Waschen, 90°C
- Abteil 2: Waschen, 90°C – Nachsatz Imprägnierflotte
- Abteil 3: Waschen, 90°C – Nachsatz Imprägnierflotte
- Abteil 4: Spülen, 90°C
- Abteil 5: Spülen, 60°C
- Abteil 6: Spülen, kalt
Rezepturaufbau für das Auswaschen von synthetischen Schlichten
- Alkali – je nach Schlichtetyp
- Waschmittel
- mit hervorragender Netzwirkung
- gute Wasch- und Dispergierwirkung
- hohes Schmutztragevermögen
- Ionogenität: Nichtionogen oder schwach anionaktiv
- Schaumarm
- Dispergier- und Komplexiermittel
- Agglomeration von Schlichten im Waschbad verhindern
- muss sequestrierend auf die Härtebildner im Wasser wirken
- Unterstützung der Waschwirkung
- Fettlöse- und Detachiermittel
- zur Entfernung von Öl- und Fettverschmutzungen aus der Weberei
- Auswaschen hartnäckiger Präparationen
- Sollte quellend auf schwer auswaschbare Schlichten wirken
- Gleitmittel- und Faltenverhinderer
- Nur beim Auswaschen in Strangform nötig
- verhindert Faltenbildung
- verhindert Scheuerstellen bei Viskose- und PES-Microfaser-Geweben
Quellen: Technische Schriften Böhme Chemie, BASF, CHT, Tanatex, eigene Quellen