KONTINUEVERFAHREN:
Gefärbt werden Gewebe oder Maschenwaren aus reinem Polyester oder Mischungen aus Polyester/ Baumwolle.
Im Gegensatz zum Ausziehverfahren wird nicht aus langer Flotte mit einer Affinität des Farbstoffes zur Faser gefärbt. Der Farbstoff wird gezielt und zwangsweise mit dem Foulard aufgebracht.
Da die Farbstoffe sich bei diesem Verfahren in der Trockenhitze in der Faser lösen, wird das Verfahren auch Thermosolverfahren genannt.
Hierbei wird wenig Wasser und auch weniger Energie verbraucht, als im Ausziehverfahren. Bei entsprechender Partiegröße wird dieses Verfahren daher wirtschaftlicher und umweltfreundlicher.
Allerdings erhält die Ware bei diesem Verfahren nicht den weichen, voluminösen Griff.
Kurzbeschreibung:
- Gleichmäßige Verteilung des Farbstoffs über den Foulard
- Schnelle, kontaktlose und gleichmäßige Vortrocknen der Ware im Infrarot-Schacht auf eine Restfeuchte von ca. 30% (Achtung sonst Migration)
- Endtrocknung und Fixieren auf einer Hotflue-Einheit (Thermosolieren)
- Reduktive Nachreinigung zum Entfernen des nicht fixierten Farbstoffs
Foulardieren:
Beim Foulardieren wird die Flotte gleichmäßig auf die Ware gebracht und abgequetscht.
Problematik:
Längsablauf (Tailing):
Vor allem bei Mischungen mit Baumwolle, die beim Foulardieren bevorzugt Wasser aufnimmt, kann es dadurch zu Konzentrationsverschiebungen innerhalb der Flotte kommen. Daher ist Foulardtrog mit minimalen Trogvolumen und gleichmäßige Flottenzuführung wichtig. Es muss ebenfalls darauf geachtet werden, dass Farbstoffe mit gleicher Substantivität kombiniert werden, damit eine unterschiedliche „Verarmung“ verhindert wird.
Kantenablauf:
Voraussetzung ist natürlich eine gleichmäßige Quetschfuge. Dennoch können Kantenabläufe durch ungleichmäßiges Aufnahmevermögen der vorbehandelten Ware auftreten. Wichtig ist auch eine absolut gleichmäßige Restfeuchte der Ware. Höhere Feuchtigkeit im Kantenbereich der Ware führen ebenfalls zu Kantenunegalitäten.
Um eine gleichmäßige Flottenzusammensetzung zu gewährleisten gelten folgende Parameter:
- gleichmäßige Restfeuchtigkeit und Temperatur der einlaufenden Ware
- konstante Flottentemperatur
- kontinuierliches Zuströmen der Flotte in den Trog
- möglichst geringes Flottenvolumen um einen schnellen Austausch zu gewährleisten
- Ausreichend langer Tauchweg ( Unterflottenquetschwerk)
Abquetschen:
- Gleichmäßiger Abquetschdruck über die gesamte Breite
- Gleiche Walzenhärte (°Shore)
- Gleichbleibende Warengeschwindigkeit
Diese drei Parameter bestimmen die Flottenaufnahme (Pickup). Der Pickup sollte möglichst niedrig sein, um bei der Trocknung Energie zu sparen, vor allem aber auch, um die Migration beim Trocknen gering zu halten. Je geringer der Wasseranteil ist, desto weniger Migration an die Faseroberfläche.
Andererseits darf die Flottenaufnahme nicht zu gering sein, damit eine gute Durchfärbung gewährleistet ist. Ein geeignetes Netzmittel erhöht die Flottenaufnahme und Durchfärbung des Materials.
Zugesetzte Klotzhilfsmittel verdicken die Flotte und erschweren über die erhöhte Viskosität die Farbstoffmigration.
Farbstoffauswahl:
Bei den Farbstoffen ist zu beachten, dass die ausgewählten Farbstoffe innerhalb einer Farbstellung sehr ähnliche, besser noch, gleiche Fixierkurven haben. Diese Kurven findet man in guten Farbkarten bei jedem Farbstoff.
Hilfsmittelauswahl:
- Migrationsinhibitoren haben einen Einfluss auf die Farbausbeute, Egalität und das Warenbild.
- Klotzhilfsmittel verhindern Grauschleier (Frosteffekt).
- Entschäumer/ Entlüfter
- Netzmittel. Achtung bei der Ionogenität! Nichionogene Netzmittel können nur bei reiner PES- Färbung eingesetzt werden. Bei Einbadfärbungen mit Reaktivfarbstoffen können diese wegen der Alkalistabilität zu Nebenreaktionen führen.
Trocknung:
Getrocknet wird bei 100 bis 130°C auf Konvektionstrocknern (Hotflue) mit einem vorgeschaltetem Infrarot-Feld.
Die Wanderung (Migration) der Farbstoffteilchen wird in allen Fällen durch die Trocknung der geklotzten Textilien verursacht. Hierbei findet die Verdampfung des Wassers zunächst an der Warenoberfläche statt. Die Flüssigkeit wird durch die Kapillarkräfte aus dem Gewebeinneren nachgefördert.
Die Vortrocknung durch das Infrarotfeld bewirkt, dass der Feuchtegehalt der Faser so weit verringert wird, dass ein „Abschmieren“ auf den ersten Umlenkwalzen der Hotflue vermieden wir und eine fehlerhafte ungleichmäßige Migration, die Kantenunegalität verursacht, verhindert wird. Denn bei diesem ersten Teil der Trocknung neigen die Dispersionsfarbstoffe sehr stark zum Migrieren. Ab einer Restfeuchte unter 30% wird eine Farbstoffmigration verhindert. In der Hotflue wird im Gegensatz zum Spannrahmen mit einer geringen Luftbewegung getrocknet um ungleichmäßige Trocknung zu vermeiden. Farbstoff migriert auf der Ware immer von feuchten zu trockenen Stellen hin, ähnlich einem Löschblatteffekt.
Bei der Farbstoffmigration unterscheidet man folgende Arten:
Horizontalmigration:
Verursacht durch eine horizontale Wanderung der Farbstoffteilchen von langsamer trocknenden dickeren Fäden zu den dünneren, schneller trocknenden Fäden im Gewebe oder Gestrick (verblasenes Warenbild). Als selektive horizontale Migration bezeichnet man ein unterschiedlich schnelles Wandern von Farbstoffen in einer Mischung(Dichroismus; unruhiges Warenbild). Beides kann mit einem Antimigrationsmittel verhindert werden.
Vertikalmigration:
Verursacht durch ungleichmäßiges Trocknen (Zweiseitigkeit, Streifigkeit, Kantenablauf) Als selektive Vertikalmigration bezeichnet man das unterschiedlich schnelle Wandern der Farbstoffe in der Mischung.
Die Migration beim Zwischentrocknen lässt sich nicht vollständig vermeiden. Daher ist die optimale Farbstoffauswahl und die Verfahrensführung äußerst wichtig. Der Einsatz von Migrationsinhibitoren bringt eine wesentlichen Verbesserung des Migrationsverhalten.
Folgende Faktoren müssen beachtet werden:
- Möglichst niedriger Abquetscheffekt
- Konstante Bedingungen in den Trocknungsaggregate
- Gleichmäßige Trocknung
- Auswahl der Migrationsinhibitoren
Nach dem Trocknen befindet sich der Dispersionsfarbstoff feinst verteilt und möglichst gleichmäßig auf der Warenbahn. Bei Mischgeweben auch auf der Begleitfaser ( z.B.: Baumwolle).
Thermosolierung:
Der Thermosolprozess gliedert sich in drei Stufen:
- Aufheizen der Warenbahn
- Sorption des Farbstoffes in die Polyesterfaser.
- Diffusion und Verteilung.
Folgende Faktoren sind wichtig:
- Fixiertemperatur
- Fixierzeit
- Sorptions- und Diffusionsgeschwindigkeit der Farbstoffe
- Farbstoffkonzentration
Die Farbstoffkarten beinhalten in der Regel ein Fixierprofil aller Farbstoffe, mit dem sich in Abhängigkeit von Zeit und Temperatur die optimalen Fixierbedingungen ermitteln lassen.
Zum Abschluss wird die Ware reduktiv nachgereinigt um ungebundene Farbstoffpigmente aus der Ware zu entfernen.